Bereits beim Staudeneinkauf ist zu erkennen, ob nach der richtigen Geselligkeit gepflanzt wird.

Geselligkeit der Stauden

Die Geselligkeit beschreibt die typische Häufigkeit, mit der eine Pflanzenart in der Natur bevorzugt auftritt. Daraus lässt sich ableiten, wie viele Pflanzen der selben Art (oder Sorte) im Garten zusammen gepflanzt werden sollten. Ein Chinaschilf gefällt es im Einzelstand sehr gut, während Teppich-Ungarwurz eher für seine großen Flächen als Bodendecker bekannt ist.

Geselligkeitsstufen

In der gärnternden Zunft werden Römische Zahlen für die Geselligkeit verwendet*:

  1. einzeln oder in kleinen Tuffs
  2. in kleinen Trupps von etwa 3-10 Pflanzen
  3. in größeren Gruppen von 10-20 Pflanzen
  4. in größeren Kolonien, ausgesprochen flächig
  5. vorwiegend großflächig.

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Woher stammt das Konzept der Geselligkeit?

Der Begriff der Geselligkeit wurde von gärtnerischer Seite der Vegetationskunde, einem speziellen Forschungszweig der Botanik "entliehen". Innerhalb der Pflanzensoziologie gibt es den Begriff der Häufungsweise (Soziabilität) und Verteilung. Mit Hilfe einer Skala wird der Zusammenschluss pflanzlicher Individuen beschrieben, also ob sie in der Natur eher als einzelne Pflanzen, in sogenannten Tuffs, Gruppen oder in Kolonien und Herden auftreten.

Hier die Skala der Soziabilität nach J. Braun-Blanquet** :

  1. = einzeln wachsend,
  2. = gruppen- oder horstweise wachsend,
  3. = truppweise wachsend (kleine Flecken oder Polster),
  4. = in kleinen Kolonien wachsend oder größere Flecken oder Teppiche bildend,
  5. = in großen Herden.

 

Saponaria officinalis, Echtes Seifenkraut hat nur eine Geselligkeit von 2, kann aber lästig werden.

Vorbild Natur

Eine gärtnerische Richtung erkennt im Arbeiten mit und nach dem Vorbild der Natur eine Gartenkultur, die weniger Aufwand zum Erhalt einer Pflanzung oder eines Gartens erfordert. Der Versuch, eine sehr in die Fläche wachsende Staude, wie die Elfenblume 'Orangekönigin' (Epimedium ×warleyense) oder das Porzellanblümchen (Saxifraga ×urbium) als einzelne Pflanzen zu verwenden, ist mit einem enormen Pflegeaufwand verbunden, weil der Expansionsdrang dieser Pflanzen regelmäßig mit dem Spaten gestoppt werden muss. Also werden sie in Pflanzkonzepten gemäß ihrer Geselligkeit verwendet.

Eutrochium fistulosum nimmt mit den Jahren immer mehr Raum ein.
Ausnahmen

Oder es gibt gute Gründe, sich in bestimmten Fällen über die Geselligkeit hinwegzusetzen. Viele Stauden mit einer natürlichen Soziabilität von 1 können auch in größeren Gruppen gepflanzt werden. Beispiele sind Purpurdost (Eutrochium fistulosum) oder Kandelaber-Ehrenpreis (Veronicastrum virginicum), die auf diesem Wege früher ihre imposante Wirkung entfalten. Da es sich um Platzhirsche mit starkem Ausbreitungsdrang handelt, wird dem späteren Erscheinungsbild auf diese Weise vorgegriffen. Wer das einmal geplante Bild vom Einzelstand langfristig bewahren möchte, sollte regelmäßig zum Spaten greifen. Ein Arbeiten (Planen und Pflegen) nach dem Vorbild der Natur fordert immer weniger Ressourcen ein, als das Ignorieren dieser Erkenntnisse.

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*) Prominenteste Quelle ist "Die Stauden und ihre Lebensbereiche" von Richard Hansen, Friedrich Stahl und Swantje Duthweiler. Leider verzichtet die aktuelle Ausgabe auf eine längst fällige Überarbeitung zum Beispiel der Sortimente.

**) Diese Skala finden Sie in "Pflanzensoziologie - Grundzüge der Vegetationskunde" des Schweizer Botanikers Josias Braun-Blanquet. Das Buch ist erstmalig im Jahr 1928 erschienen und wurde in 1964 neu aufgelegt. Reprints als Softcover kosten knapp über 100 EUR. Da lohnt sich der Blick ins Antiquariat.


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