Eine naturalistische Gartengestaltung zeigt den Dialog zwischen Chinesischem Süßholz und Röhrigem Wasserdost in einem Meer von Rasenschmiele.
PLANUNG: Torsten Matschiess
FOTO: © Jürgen Becker

Naturalistische Gartengestaltung

Kurz auf den Punkt gebracht, meint eine naturalistische Gartengestaltung, dass der Garten der Natur zu gleichen hat, ihr mindestens ähnlich sein und natürlich wirken soll. Der andere Aspekt betrifft die Pflege, denn wenn die Pflanzplanung den Regeln der Natur folgt, also mit der Natur arbeitet und nicht gegen sie, entstehen langfristige Pflanzbilder.
Eine naturalistische Gartengestaltung zeichnet sich im Erfolgsfall also durch zwei Dinge aus: Der Garten hat einen hohen ästhetischen Wert in seiner natürlichen Authentizität und seine Aufrechterhaltung erfolgt eher durch zarte Lenkung als durch intensive Pflege.

Weidenblättrige Sonnenblume (Helianthus salicifolius var. orgialis) in einem Meer von Myrten-Aster (Symphyotrichum ericoides)

Die sehr aufrecht wachsende Weidenblättrige Sonnenblume (Helianthus salicifolius var. orgialis) in einem Meer von Myrten-Aster (Symphyotrichum ericoides) benötigten über 7 Jahre kaum Pflege.

Ein naturalistischer Garten ist nachhaltiger und deutlich pflegeärmer als ein konventioneller. Das Studio Torsten Matschiess berät Sie gerne.

Natur ist nicht immer schön

Im Gegensatz zur Natur soll ein Garten durch die Jahreszeiten hindurch möglichst attraktiv sein. Besuchen Sie einmal die Stelle im Wald, die im Frühjahr durch ihre Winterlinge oder etwas später durch große Bestände von Waldanemone begeistern, im späten August, vielleicht nach einer längeren Hitzeperiode. Sicherlich werden Sie schönere Stellen finden. Dieses Beispiel verdeutlicht, dass der Anspruch an einen Garten deutlich höher ist, als an Natur. Es geht also nie darum, die Natur 1:1 zu kopieren, was außerdem regelmäßig zum Scheitern verurteilt wäre. Es geht bei der Gartenkultur immer darum, der Natur etwas zuzugeben.

"Natur" meint vieles

Der Begriff der Natur ist immer definitionswürdig. In einem engeren Sinne ist Natur nur das, was ohne menschlichen Einfluss entsteht. Eigentlich wäre der Konjunktiv richtiger, denn es gibt in Deutschland kaum Stellen, die seit Jahrhunderten "unberührt" wären. Selbst unsere Wälder würden völlig anders aussehen, wenn wir sie nicht betreten, bejagen und sonst wie "pflegen" würden.
Es geht in der Frage also weniger um ein realistisches Abbild der Natur als vielmehr um eine Idealisierung, oft missverstanden als eine möglichst große Arten- und Sortenvielfalt auf eher kleinem Raum. Der Paradiesgarten lässt sich nicht so schnell aus den Köpfen vertreiben!

Im Gierschgarten werden sogar als gartenunwürding anerkannte Stauden wie der Giersch akzeptiert.

Im Gierschgarten werden sogar als gartenun­würding anerkannte Stauden wie der Giersch akzeptiert.

Im ehemaligen Privatgarten Pawert & Matschiess gab es sogar Rasen. Er entstand, weil jemand regelmäßig mit dem Mäher hier entlangfuhr.

Im ehemaligen Privatgarten Pawert & Matschiess gab es sogar Rasen. Er entstand, weil jemand regelmäßig mit dem Mäher hier entlangfuhr.

Gärtnern wie die Natur

Eine naturalistische Pflanzplanung berücksichtigt immer das Wissen über Pflanzen als Individuum oder als Gruppe, um nur solche gärtnerischen Angebote an einer definierten Stelle im Garten zu unterbreiten, die sich langfristig auf möglichst natürlichem Wege dort etablieren können. In diesem Zusammenhang sprechen Gartenplaner gerne von einer standortgerechten Pflanzenverwendung, was meint, dass an einem bestimmten Standort immer nur jene Pflanzen verwendet werden, die in diesem spezifischen Lebensbereich auch zuhause sind. Wer würde einen Waldfarn in die Sonne pflanzen oder einen Echten Lavendel in den Schatten? Damit wäre das Vorbild der Natur aber noch längst nicht erschöpft! So nutzen Stauden bestimmte Strategien des Überlebens und der Fortpflanzung. Wer diese missachtet, kann mit typischer Gartenpflege oft mehr zerstören, als dass diese einen tatsächlichen Nutzen hätte. In diesem Zusammenhang gibt es auch die Soziabilität der Pflanzen zu beachten, also in welcher Häufigkeit eine Art in der Natur typischerweise anzutreffen ist. Wer würde von einer wüchsigen bis wuchernden Elfenblume nur ein Exemplar verwenden, wenn diese doch eine ganz andere Geselligkeit gewohnt ist?

Die Pflege eines naturalistischen Gartens

Gärtnerischen Laien ist oft nicht bewusst, dass ein bestimmtes Pflanzendesign oder ein bestimmter Gartenstil immer eine klar definierte Pflege voraussetzt. Wer eine Freifläche zweimal im Jahr mit der Sense zur immer selben Zeit niedermäht und den Rückschnitt räumt, wird mit der Zeit ganz von selbst eine typische Pflanzengesellschaft der Magerwiesen erleben. Diese würde umgekehrt schnell wieder verarmen, wenn die regelmäßige Pflege ausbliebe oder plötzlich zu anderen Zeitpunkten erfolgen würde.
Wer dieselbe Fläche einmal die Woche auf 4 Zentimeter Höhe schneidet, wird mit der Zeit eine Rasenfläche erhalten, denn etwas anderes gedeiht hier kaum noch. Wer dann noch unerwünschte Gräser und Stauden jätet, erhält mittelfristig sogar einen englischen Rasen.
Bei einer naturalistischen Staudenpflanzung stellt sich nach wenigen Jahren Pflege (Jäten) eine eigene Dynamik ein, die oft nur noch weniger Eingriffe (Laissez-faire Gärten) bedarf. Es reicht ein jährliches Mähen der Fläche, wobei mit dem Rückschnitt sogar gemulcht werden kann. Dann gilt es zu beobachten, ob sich trotz der Bodendecker unerwünschte Gehölze, Gräser oder Stauden einfinden, die den geplanten Bewuchs im ästhetischen Sinne stören oder verdrängen könnten. Dann wird gejätet.

Selbst historische Rosen, wie hier Rosa gallica 'Complicata', passen zur naturalistischen Pflanzplanung.

Selbst historische Rosen, wie hier Rosa gallica 'Complicata', passen zur naturalistischen Pflanzplanung.

Eine solche wild wirkende Sichtschutzpflanzung wäre in der Natur undenkbar.

Eine solche wild wirkende Sichtschutzpflanzung wäre in der Natur undenkbar.

Torsten Matschiess - Gartenplaner und BuchautorStudio Torsten Matschiess bietet Ihnen eine pflanzen­betonte und naturalistische Garten­planung. Senden Sie gerne eine E-Mail oder rufen Sie an unter: +49 173 368 408 1.

Nur zwei empfehlenswerte Bücher

Bereits im Jahre 1870 erschien das Buch „The Wild Garden“ von William Robinson, einem Gärtner und Journalisten, dass als Ausgangspunkt für einen wilderen Gartenstil gilt. Mit wild waren im dritten Teil der Victorianischen Epoche bereits gemischte Staudenbeete gemeint, an die sich damalige Augen erst gewöhnen mussten. Nur in Verbindung mit Gehölzen entstand im Waldgarten tatsächlich eine Gartenkultur, die sich viel konsequenter am Vorbild der Natur orientierte, als zum Beispiel die ländlichen Cottage-Gärten.
Vorläufiger Höhepunkt der Publikationen zum Thema ist das 2020 erschienene Buch "Naturalistic Planting Design: The Essential Guide" von Nigel Dunnett, dass in deutscher Sprache auch bei Ulmer verlegt wurde. Es ist eines der besten Bücher über Pflanzendesign und zeugt von hohem theoretischen Wissen, dass sich in der Praxis ständig bewahrheitet.

▲ Theorie und gärtnerische Praxis  ► naturalistische Pflanzplanung


Diese Seite ist Teil einiger Informationsseiten mit gärtnerischem Fachwissen und Meinungsbeiträgen (Blog). Sie dienen dem Interesse an der Arbeitsweise des Gartenplaners Torsten Matschiess und seinem Studio für Pflanzplanung und Gartengestaltung. Die Seiten werden laufend erweitert. Weitergehende Informationen finden Sie im Gartenratgeber und SPIEGEL-Bestseller "Und es wächst doch!", sowie im ebenfalls preisgekrönten "Avantgardening: Plädoyer für gegenwärtiges Gärtnern" über naturalistische Gartengestaltung und die erfolgreiche Erschließung großer Gärten.


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