Ein paar Worte zur Pflege im Garten
Pflege ist bei einer seriösen Pflanzplanung kein nachgelagerter Gedanke, sondern häufig das entscheidende – weil limitierende – Moment. Zu Beginn jedes Projekts steht daher die Frage: Welches Know-how ist vor Ort vorhanden? Welcher zeitliche und finanzielle Aufwand kann und soll dauerhaft geleistet werden? Und zwar unabhängig davon, ob selbst gepflegt oder diese Aufgabe delegiert wird.
Auf diese Ressource hin wird geplant. Nachhaltigkeit entsteht nicht allein durch Pflanzenwahl, sondern durch realistisch kalkulierte Pflege.
Oft wird Gartenpflege als lästige Wiederholung verstanden. Tatsächlich verlangen Formhecken, dichte Rasenflächen, Lavendel oder die meisten Hortensien zu festgelegten Zeiten Schnitt, Formierung oder Mahd. In einer stärker naturalistischen Planung werden diese Eingriffe bewusst reduziert. Hier orientiert sich die Pflanzenverwendung stärker am natürlichen Zuwachs und an der Eigenart von Stauden und Gehölzen. Dass solche Gärten ästhetischen Ansprüchen nicht genügen, gehört längst ins Reich der Vorurteile.
Das selbe Beet zur Blüte der Rose 'Complicata' im 5. Jahr ohne Pflege
Standortgerechte Pflanzenverwendung
Bei diesem Konzept erfolgt die Gestaltung einer Pflanzung unter besonderer Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse von Pflanzen an ihren Standort. Stimmen Wasser-, Licht- und Nährstoffmenge, sowie die Bodenverhältnisse und stehen die richtigen Pflanzpartner in der natürlichen Häufung beieinander?
Eine Pflanzplanung ist langlebiger, stabiler und weniger pflegebedürftig. Für diese konsequent standortbezogene Herangehensweise wurde im Ausland der Begriff New German Style geprägt – eine Bezeichnung für einen Gartenstil, der weniger dekorativ denkt als ökologisch und strukturell.
Jährlicher Rückschnitt nach Anwachsphase
Auch bei einer standortgerechten Pflanzenverwendung benötigen die meisten Stauden und Ziergräser einen regelmäßigen, zumeist jährlichen Rückschnitt. In der Anwachsphase gilt es zusätzlich, die noch relativ großen Zwischenräume von unerwünschtem Bewuchs freizuhalten. Stören können sogenannte Wildkräuter, früher "Unkraut" genannt, aber auch gepflanzte Stauden, die sich plötzlich und unmäßig versamen. Das kommt gelegentlich sogar bei Pflanzen vor, die eigentlich nicht als lästig gelten.
Hat sich die Pflanzung etabliert, reduziert sich der Aufwand deutlich: Ein jährlicher Rückschnitt und gelegentliche Jätegänge genügen, um Struktur und Vitalität zu erhalten.

Blüte Sanguisorba 'Blackthorn' im 5. Jahr ohne Pflege (Foto: Jürgen Becker)
Rasen vs. Staudenbeet
Das Niveau einer eingewachsenen Staudenpflanzung lässt sich langfristig mit etwa vier bis sechs Minuten Pflegeaufwand pro Quadratmeter und Jahr stabil halten. Ein intensiv gepflegter, englischer Rasen kommt im Vergleich dazu auf 12-20 Minuten.
Ob ein Rasenroboter im Vergleich zu den Kosten einer externen Gartenkraft günstiger wird, hängt ein bisschen von der Lebenserwartung das Roboters ab. Fünf Jahre muss er schon durchhalten, bis sich seine Anschaffung rechtfertigt. Und dann wurde noch nicht gewässert!
Intensive Gartenkultur
Es gibt verschiedene Arten von Gartenkultur, deren Tradition in Ermangelung von Fachkräften und Budget nur noch durch Privatpersonen oder speziell dafür geschaffene Organisationen geleistet werden kann.
Wer jetzt an sogenannte englische Rabatte denkt, die gerne mal 20, 30 Minuten Arbeit je Quadratmeter und Jahr erfordern, sollte den klassischen Bauerngarten nicht außer Acht lassen. Die hier verwendeten Stauden sind oft schnellwüchsig und kurzlebig. Sie wollen deshalb jedes Jahr identifiziert, aufgenommen, geteilt und neu aufgepflanzt werden, um sie zu erhalten.
Bistorta amplexicaulis 'Fine Pink' im 4. Jahr ohne Rückschnitt oder sonstige Pflege (Foto: Jürgen Becker)
Kurzlebig - Wirklich?
Heute haben sich gärtnernde Menschen zum Teil daran gewöhnt, dass Stauden wie die Sorten der Duftnessel (Agastache-Hybride 'After Eight' oder 'Blue Fortune'), die Nachtviole (Hesperis matronalis), Schafgarbe (Achillea millefolium 'Terracotta' oder 'Paprika') oder Berg-Aster (Aster amellus) als kurzlebig gelten. Sie könnten leicht durch Stecklinge oder regelmäßige Teilung erhalten werden, wenn diese Kulturarbeit bekannt oder populär wäre. Nicht jede Vergänglichkeit ist biologisch zwingend; manches ist schlicht eine Frage gärtnerischer Aufmerksamkeit.
Blick auf die gesamte Pflanzung im 5. Jahr, ohne dass diese je betreten worden wäre: Bistorta amplexicaulis 'Janet', Sanguisorba 'Blackthorn', Calamagrostis acutiflora 'Karl Foerster' (ehemals Calamagrostis ×acutiflora 'Karl Foerster'), Deschampsia cespitosa und auf der rechten Seite: Euphorbia cyparissias 'Fens Ruby' (Foto: Torsten Matschiess)
Lenkung oder extensive Pflege
Es gibt Staudenpflanzungen, die nicht nur konsequent auf ihren Standort abgestimmt sind, eine natürliche Geselligkeit aufweisen und stimmige Pflanzpartner vereinen, sondern auch auf geringen Pflegeressourcen und zunehmend unausgewogene Witterungsverläufe reagieren können. Bereits in der Planung wird diesen Pflanzungen ihre eigene Dynamik zugestanden; ein gewisses Laissez-faire ist ausdrücklich Teil des Konzepts.
Ob Pflanzplanung, naturalistische Gartengestaltung oder persönliche Beratung – das Studio Torsten Matschiess entwickelt Gärten mit Charakter, Struktur und Perspektive.
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Solche Pflanzungen ähneln in ihrer Struktur einer Wiese und können auch ähnlich gepflegt werden: Ein- bis zweimal jährlich erfolgt eine Mahd, etwa mit dem Rasenmäher. Nach einem Zeitraum von etwa fünf bis sieben Jahren empfiehlt sich eine kritische gärtnerische Betrachtung. Durch das gezielte Auslichten einzelner Arten und das Ergänzen neuer Pflanzen lässt sich die Pflanzung lenken, also weiterentwickeln und optimieren.
So entsteht mit vergleichsweise geringem Aufwand eine dauerhafte, robuste und zugleich ästhetisch überzeugende Gartenstruktur. Pflege wird hier nicht minimiert, sondern intelligent dosiert – als fortlaufender Dialog zwischen Entwurf, Standort und Zeit.
▲ Theorie und gärtnerische Praxis ► Gartengestaltung
Diese Seite ist Teil einer Reihe von Informationsseiten mit gärtnerischem Fachwissen und pointierten Meinungsbeiträgen. Sie geben Einblick in die Arbeitsweise des Gartenplaners Torsten Matschiess und seines Studios für Pflanzplanung und Gartengestaltung. Die Inhalte werden kontinuierlich ergänzt und weiterentwickelt. Vertiefende Informationen finden sich im Gartenratgeber und SPIEGEL-Bestseller "Und es wächst doch!" sowie im ebenfalls preisgekrönten Buch "Avantgardening: Plädoyer für gegenwärtiges Gärtnern", das sich mit naturalistischer Gartengestaltung und der erfolgreichen Entwicklung großer Gärten befasst.



