Zwiebel Fritillaria persica Ivory Bells

Polarexpedition - Kolumne

16. Juni 2026 - Lieben Sie Gartenarbeit bei Minusgraden? Also jene Form der Freizeitgestaltung, bei der man sich freiwillig in eine Mischung aus Nieselregen, Windzug und latentem Erfrierungsrisiko begibt, um Zwiebeln in einen Boden zu drücken, der sich dabei anfühlt wie eine schlecht gelaunte Betonplatte? Was im Herbst noch eine halbwegs zivilisierte Tätigkeit ist, wird bei der Nachpflanzung im Winter zur handfesten Polarexpedition. Kälte und Regen demoralisieren, hinzu kommt das Problem der angemessenen Garderobe, insbesondere der richtigen Handschuhe. Sie sollen die Finger vor dem Erfrieren schützen, doch der Tastsinn muss nicht nur Riesen-Lauch und Narzissen packen, sondern auch die kleinen Zwiebeln von Schneeglanz, Blaustern oder Puschkinie greifen.

Eher selten bringen wir es übers Herz, dass Zwiebeln nach der Pflanzung im Winter übrigbleiben, denn eigentlich kann man gar nicht zu viele Zwiebeln pflanzen! Die übliche Vorgehensweise ist ja nicht, die Ware zum Handel zurückzusenden. Also muss sie fachgerecht aufbewahrt werden. Ich greife mir zu diesem Zweck dann ein paar Multitopfplatten, die es im Fachhandel für Gartenzubehör gibt. Darin setze ich die Zwiebeln in übliche Pflanzerde, packe etwas Laub darüber und verstecke sie in einer beschatteten Ecke des Gartens, wo noch etwas Regen hinkommt.

Wenn sie im Frühjahr austreiben, ist zu erkennen, welche es geschafft haben und die Pflanzzeit kann beginnen. In diesem Jahr konnte ich auf diesem Wege einige Hundert Narzissen und Tulpen bei 16 Grad und Sonnenschein Anfang März setzen. Die
Beschäftigung mit Frühlingszwiebeln erstreckt sich über das gesamte Jahr. Während der Blütezeit von Krokus, Schneeglanz oder später beim Zierlauch aufgenommene Fotos der Beetsituation helfen später dabei, sich an die Lücken zu erinnern, in welche nachgepflanzt werden soll. Und wer das Besondere oder seltene Zwiebeln sucht, wartet mit seiner Zwiebelbestellung nicht bis zur Lieferzeit im September. Ich bestelle gerne bereits an einem heißen Tag im Juli, an dem Gedanken an die kalte Jahreszeit etwas Erfrischendes haben.

Buchcover Das Kosmosbuch der Zwiebel- und Knollenpflanzen von Roger Phillips und Martyn Rix

Wer sich einen guten Überblick auf die zahlreichen Zwiebelarten im Ziergarten verschaffen möchte, dem empfehle ich „Das Kosmosbuch der Zwiebel- und Knollenpflanzen“ von Roger Phillips und Martyn Rix. Das Buch ist bereits über vier Jahrzehnte alt und zumeist günstig im Antiquariat erhältlich. Sein Schwerpunkt liegt nicht auf den zahlreichen Sorten, die ständig neu auf den Markt kommen, sondern es zeigt die botanische Vielfalt der Gattungen. Auf 192 Seiten zeigt es die Vielfalt der Arten unter anderem mit Fotos der vollständigen Pflanzen samt Zwiebel oder Knolle und beschreibt die Pflanzen am Naturstandort.

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▲ Übersicht der Gartenkolumne "In meinem Garten"


Die Kolumne „In meinem Garten“ erscheint seit August 2018 sechsmal im Jahr im Magazin "Im Garten". In der Kolumne schildert Gartenplaner Torsten Matschiess Erlebnisse aus dem Alltag der Gartengestaltung. Alles dreht sich um Pflanzen, ihre Verwendung und empfehlenswerte Bücher über das Gärtnern. Sie erhalten das Magazin kostenlos in vielen Raiffeisenmärkten, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Gartenfachmärkten.


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