Ehrliche Absichten - Kolumne

26. März 2026 - Bei der Wahl der richtigen Pflanzpartner ist es wie im wirklichen Leben: Die Optik verführt, aber langfristig entscheidet der Charakter.
Natürlich schauen wir zuerst auf die Blüten. Auf das große Versprechen in Rosa neben Altrosa und Rot. Auf Orangetöne, die sich lässig durch ein gelbes Beet schlängeln. Auf kühne Kontraste, modische Statements oder harmonische Farbfamilien, die sich so selbstverständlich verstehen wie alte Freundinnen. Mein persönlicher Favorit ist ein selbstbewusster Klassiker aus Orange und Mauve mit Schwedenhausrot oder einem leicht anzüglichen Pink. Aber seien wir ehrlich: Nur weil es zusammen gut aussieht, heißt das noch lange nicht, dass es dauerhaft im Beet funktioniert.

Denn gute Pflanzpartner brauchen mehr als ein schönes Äußeres. Sie stellen nämlich sehr ähnliche Ansprüche. An Boden. An Feuchtigkeit. An Nährstoffe.
Und hier wird es spannend. Was glauben Sie, welche Kombination sich deutsche Gartenbesitzerinnen am häufigsten wünschen? – Tatsächlich sind es zu 99 Prozent Frauen; die drei Männer fühlen sich bitte herzlich mitgemeint. – Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: Rosen und Lavendel oder als Zugabe noch die Ballhortensie ‚Annabelle‘. Ein Gartentraum in Pastell mit eingebautem Konfliktpotenzial.

Seit Generationen erklären Gärtnerinnen und Gärtner geduldig, dass diese drei zwar gemeinsam im Einkaufskorb landen dürfen, im Beet jedoch getrennte Wege gehen sollten. In all den Jahren hätte man Kundinnen wunderbare, standortgerechte Pflanzbilder zeigen können, wenn da nicht immer wieder diese Dreiecksbeziehung wäre. Denn während Rosen und Ballhortensien einen nährstoffreichen, tiefgründigen, leicht sauren bis neutralen Boden mit viel Humus lieben, möchte Lavendel es karg, trocken und kalkhaltig. Er ist gewissermaßen ein Asket unter den Beetpartnern. Natürlich kann man Rosen oder Hortensien auf einen Lavendelstandort setzen. Man kann auch versuchen, jemanden grundlegend zu verändern. Mit viel Mühe. Mit viel Einsatz. Mit ständigem Nachjustieren. In diesem Fall heißt das: wässern, düngen, Krankheiten bekämpfen, retten, stützen. Und sich insgeheim fragen, warum es im Beet nie wirklich entspannt wird.

Warum die Sache nicht einmal völlig neu angehen und die Pflanzen genau dort einsetzen, wo sie von Natur aus glänzen? Wer sich dabei Unterstützung wünscht, dem sei eine Online-Software ans Herz gelegt: die Pflanzenreich-App. Entwickelt von der renommierten Landschaftsarchitektin Petra Pelz, deren Pflanzungen vielen von Gartenschauen vertraut sein dürften. Die App erstellt keine fertigen Pflanzpläne. Sie denkt bei der Pflanzplanung mit und hilft, Stauden, Gräser, Rosen und Gehölze nach Farbe, Höhe oder Standortanspruch zusammenzustellen. Und sie deckt in einem Blühzeitenkalender gnadenlos jede Prunklücke auf.

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▲ Übersicht der Gartenkolumne "In meinem Garten"


Die Kolumne „In meinem Garten“ erscheint seit August 2018 sechsmal im Jahr im Magazin "Im Garten". In der Kolumne schildert Gartenplaner Torsten Matschiess Erlebnisse aus dem Alltag der Gartengestaltung. Alles dreht sich um Pflanzen, ihre Verwendung und empfehlenswerte Bücher über das Gärtnern. Sie erhalten das Magazin kostenlos in vielen Raiffeisenmärkten, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Gartenfachmärkten.


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