Staudengangster im Botanischen Garten Krefeld

Staudenfieber - Kolumne

11. Januar 2026 - Zweimal im Jahr kommt mich mein nordischer Blumenfreund Christopher besuchen. Dann starten wir zu einer besonderen Shoppingtour durch die Gärtnereien einer Region. Es gibt so viele wunderbare und außergewöhnliche Staudengärtnereien in den Niederlanden oder der Grenzregion, dass sich oft selbst eine stundenlange Anreise lohnt – vorausgesetzt, das Sortiment ist spannend und wir treffen auf Gleichgesinnte. Für diese Art von Ausflug hat sich längst der Begriff Plünderung etabliert, denn auf der Rückfahrt ist der Wagen bis unters Dach gefüllt. Nicht selten wurde mir „angeboten“, die Heimreise bitte per Bahn anzutreten, da mein Platz nun anderweitig benötigt werde. Es gibt sogar Pläne, für zukünftige Plünderungen einen Kleinbus oder gar einen LKW zu mieten.

Vor einigen Jahren hat auch mein Freund sich mit dem Staudenfieber infiziert. Dieses Leiden tritt häufig in Kombination mit einer Vorliebe für Gehölze, Wasserpflanzen oder Gräser auf. Es gilt im Allgemeinen nicht als therapiebedürftig, zumal die Betroffenen gesellschaftlich unauffällig bleiben – von gelegentlichen Euphorieanfällen in Gärtnereien einmal abgesehen. In besonders hartnäckigen Fällen paart sich die Blumenliebe mit einer ausgeprägten Sammelleidenschaft. Dann kann es passieren, dass Rasenflächen (ich spreche lieber von Ausbaureserve) großflächig zurückgebaut werden, um Platz für all die neuen Staudenschätze zu schaffen. Manche Betroffene gehen sogar so weit, zusätzliches Land zu pachten. Eine Heilung ist bislang nicht bekannt. Die meisten Betroffenen wünschen sie sich allerdings auch gar nicht – schließlich wäre das Leben ohne all die Stauden kaum so artenreich.

Wenn auch Sie zu den Betroffenen zählen, möchte ich Ihnen diesmal eine Veranstaltung empfehlen, die eher Heilwirkung als Nebenwirkung hat: die Grünberger Staudentage unter der Leitung von Prof. Cassian Schmidt.
Jedes Jahr im Januar pilgern Staudenfreunde aus allen Ecken des Landes ins hessische Grünberg – nicht nur, um sich gegenseitig auf die neuesten botanischen Schätze aufmerksam zu machen, sondern auch, um den Vorträgen einer ganzen Reihe von Fachleuten zu lauschen. Geboten wird ein inspirierender Mix aus Reiseberichten zu den Heimatstandorten unserer Stauden und instruktiven Beiträgen über Gestaltung und Pflege von Pflanzungen.
Man verlässt die Tagung meist mit einem Kopf voller Ideen und dem festen Vorsatz, den Rasen im kommenden Frühjahr „etwas zu verkleinern“.

◄ vorige Kolumne: Biene beißt Hund

▲ Übersicht der Gartenkolumne "In meinem Garten"


Die Kolumne „In meinem Garten“ erscheint seit August 2018 sechsmal im Jahr im Magazin "Im Garten". In der Kolumne schildert Gartenplaner Torsten Matschiess Erlebnisse aus dem Alltag der Gartengestaltung. Alles dreht sich um Pflanzen, ihre Verwendung und empfehlenswerte Bücher über das Gärtnern. Sie erhalten das Magazin kostenlos in vielen Raiffeisenmärkten, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Gartenfachmärkten.


Planung
Arbeiten
Publikationen
Vorträge
Kontakt