Garten Thalbürgel, Thüringen
Planung: Winter 2020/21
Art: Privatgarten einer Familie
Leistungen: Garten- und Pflanzplanung, räumliche Strukturierung, Pflanzenkonzept, Aufstellung, Lenkung
Höhe: 252 m über NN
Niederschläge: 633 mm/Jahr
Der Garten Thalbürgel wurde im Winter 2020/21 als Privatgarten einer Familie geplant, deren Begeisterung für den Garten im Laufe seiner Entstehung spürbar wuchs. Zunächst lernte ich den Hausherren kennen, der seine Kindheit in unmittelbarer Nähe des heutigen Gartens verbracht hatte. Diese persönliche Verbindung prägte die ersten Gespräche und den Zugang zum Ort Thalbürgel und zum Garten in Hanglage. In diesem wurde bereits seit Generationen gegärtnert – und anders als in vielen anderen Regionen ist Gartenkultur in Thüringen längst kein Fremdwort.
Der Eingang zum Garten ist ein Aufgang, gesäumt von Hippie-Blumen (Helianthus salicifolius), Meisterwurz (Peucedanum ostruthium), Rostfarbenem Fingerhut (Digitalis ferruginea) und Röhrigem Wasserdost (Eutrochium fistulosum 'Phantom').
Der Blick von gegenüber auf die Hippie-Blumen am Aufgang wird von Garten-Reitgras (Calamagrostis acutiflora 'Karl Förster') und Röhrigem Wasserdost (Eutrochium fistulosum) eingerahmt, die oberhalb der Trockenmauer am Pool stehen.
Vom Haus bis in den Talgarten
Der Garten gliedert sich in insgesamt rund zwölf unterschiedliche Staudenbeete und Rabatten, die sich vom Haus über Terrasse und Pool bis hin zu einem angrenzenden Waldstück und weiter in einen Talgarten erstrecken. Wege und einzelne Flächen werden durch Rasen mit hohem Anteil an Blühpflanzen gefasst, wobei einige Rasenbereiche bewusst als Ausbaureserve angelegt wurden. Mit zunehmender Entfernung vom Haus nimmt der Pflegeaufwand der Staudenpflanzungen deutlich ab. Die weiter außen liegenden Beete sind konsequent auf Pflegeverzicht ausgelegt: Manche Flächen benötigen lediglich einen Rückschnitt im späten Winter, andere Stauden werden im Mai eingekürzt, um eine bessere Verzweigung und Standfestigkeit zu fördern und so auch höher wachsende Arten zu stützen.
"Also, botanische Namen werde ich nicht mehr lernen!"
Samtsalbei (Salvia×jamensis 'Nachtvlinder')
Innenhof mit Walnuss
Vom Haus aus betritt man einen kleinen Innenhof mit einer in die Jahre gekommenen Walnuss. Sie darf zwar vorerst bleiben, doch ist bereits absehbar, dass hier in den kommenden Jahren ein neues Gehölz einziehen wird. Unterpflanzt ist die Walnuss mit einer eher formalen und reduzierten Mischung überwiegend ganzjährig attraktiver Stauden – darunter Herbstkopfgras, Himalaya-Venushaarfarn, Hirschzunge, Oktober-Silberkerze, Balkan-Wolfsmilch, Weiße Wald-Aster, Duftende Herzblattlilie, Stinkende Waldiris, Großblättriges Schaumkraut sowie Milchweiße und Kaukasus-Pfingstrose.
Das zentrale Schattenbeet im Innenhof unter einer mehrstämmigen Walnuss lebt auch von der Kombination der Texturen: Elfenblume (Epimedium grandiflorum), Balkan-Wolfsmilch (Euphorbia amygdaloides subsp. robbiae) und Weiße Wald-Aster (Eurybia divaricata).
Blick zum Pooldeck entlang von Herbstkopfgras (Sesleria autumnalis), Weißer Wald-Aster (Eurybia divaricata), Tautropfengras (Sporobolus heterolepis), Rostfarbenem Fingerhut (Digitalis ferruginea), Hippie-Blumen (Helianthus salicifolius) und Röhrigem Wasserdost (Eutrochium fistulosum).
Die Bepflanzung nahe der Bebauung setzt den Stein und seine klaren Linien nicht außer Kraft, sondern stellt ihnen einen gezielten Kontrast aus flächigen Texturen zur Seite. Zur rechten Hausseite hin ist die Inszenierung vor der dunklen Fassade deutlich stärker strukturiert – auch in ihrer Höhenstaffelung.
Am Pool
Im Garten sind einige Höhenmeter zu überwinden. Der Pool liegt auf einer Ebene mit der angrenzenden Rasenfläche und wird an zwei Seiten von aufsteigenden Stützmauern im Stil einer Trockenmauer gefasst. Zwischen Pool und Rasen zieht sich ein Band aus duftendem Tautropfengras, das wie ein perliger Schleier über der klaren Linienführung der Pooleinfassung liegt. Dazwischen öffnen sich kleine Flächen sehr niedriger Kissenstauden, wie Römische Kamille, Blaugrünes Stachelnüsschen und Wolliges Katzenpfötchen, die den Kindern ein schnelles, unkompliziertes Betreten des Pools erlauben. Wer möchte schon Umwege gehen, nur weil Gartengestalter ständig Pflanzen in den Weg stellen?
Der Blick über den Pool zum Haus. Anfang September wechseln die Farben in den Herbstmodus, und bald beginnen die Himmelsstürmer unter den Stauden zu blühen. Die Weidenblättrige Sonnenblume stand übrigens schon am Haus, bevor die hier beschriebene Planung umgesetzt wurde – ein schon damals faszinierender Ort!
Über die Mauerkronen hinweg ragen locker einige Exemplare Echter Wermut und setzen grün-silbrige, stellenweise fast wilde Akzente. Zum Rand hin bilden Kaskaden-Thymian, Teppich-Myrten-Aster und Hängepolster-Glockenblume den bodennahen Abschluss. Rhythmus und Struktur erhält dieser Bereich durch das aufrechte Garten-Reitgras.
Im Laufe des Jahres zeigen diese Beete einen ausgeprägten Wechsel: von frühen Blühern wie Gold-Wolfsmilch, Sonnenröschen, Mittelmeer-Wolfsmilch, Zierlauch und gefüllter Netzblatt-Pfingstrose hin zu den späten Aspekten von Bleibusch, Herbst-Anemone, glatter Aster und echtem Bergfenchel. Zum Herbst hin prägen besonders die Texturen in Silbergrün, Gelb und Orange das Bild.
Die Treppe ist gesäumt von Herbstkopfgras, Steinquendel und duftendem Kaskaden-Thymian mit dem schönen Namen Thymus longicaulis subsp. odoratus.
Auch längst Verblühtes kann attraktiv bis in den Winter hinein bleiben. Hier sind es die Samenstände der Dichtblütigen Betonie (Betonica officinalis 'Hummelo').
Ob Pflanzplanung, naturalistische Gartengestaltung oder persönliche Beratung – das Studio Torsten Matschiess entwickelt Gärten mit Charakter, Struktur und Perspektive.
Gern erreichbar per E-Mail oder telefonisch unter:
Lange Rabatte am Waldrand
Vom Pool aus erstreckt sich vor dem Waldstück eine sehr lange Rabatte in Richtung Gartenhaus. Sie endet kurz vor dem Hang zur nächsten Ebene, auf der sich ein großes Trampolin befindet. Die Pflanzplanung baut hier auf durchsetzungsstarke Stauden und Platzhirsche, die problemlos Giersch oder andere Wildkräuter unterdrücken könnten. Die Pflege beschränkt sich auf einen jährlichen Rückschnitt der Stauden und Gräser. Der Rückschnitt verbleibt im Beet. Außerdem werden einige hohe Astern am Wegesrand im Frühjahr gestaffelt eingekürzt, damit sie standfester werden und die herbstlichen Blütenstände zurück ins Beet rücken, statt davor herumzubaumeln.
Garten vorher, Garten nachher
Oft ist es von Interesse, die Entwicklung eines Gartens im Wachstum nachzuvollziehen oder Bilder aus der Zeit vor der Anlage zu sehen. Raumgefühl, Tiefe, Weite und Perspektiven werden dann anders erfahrbar – insbesondere dort, wo spätere Pflanzungen den Blick heute bewusst lenken oder verstellen. Erst im zeitlichen Vergleich wird sichtbar, wie sich nicht nur der Raum, sondern auch die Nutzung und Atmosphäre des Gartens verändert haben.
Während das Poolbeet bereits bepflanzt ist, wird die Aufstellung der Stauden am Hang noch einmal kontrolliert.
Viele Platzhirsche unter den Stauden und Gräsern benötigen ein paar Jahre, bis sie Präsenz zeigen – wie hier das Garten-Rohrgras.
Ein etwas unfairer Moment: Die Aufnahme entstand im Winter, als die Weidenblättrige Sonnenblume am Haus bereits zurückgeschnitten war.
Fünf Jahre später zeigt sich der Abgang zum Innenhof gepflastert, die Beete sind gefasst und die Pflanzungen haben sich längst etabliert.
Aufstellung der Transportboxen mit den Staudencontainern.
Bei der Kontrolle der Pflanzung ist der Pflanzplan stets dabei – auch für die Details am Rand.
Die Aufstellung der Stauden am Hang.
Dreiunddreißig Boxen für fünf Staudenbeete.
Credits: Herzlichen Dank an Ira Lenzen für die freundliche Bereitstellung einiger Fotos.
Auf diesen Seiten werden künftig weitere Beispiele für Pflanzplanung und Gartengestaltung aus dem Studio Torsten Matschiess vorgestellt.



















